Sonntag, 30. November 2014

Endspurt!

Die letzten Tage vergingen wie im Flug, jeden Tag investierten wir Zeit in unsere Arbeit. Layout, Fussnoten, Anhang, Inhaltsverzeichnis, Fazit,... entstanden. Alles  Beträge, welche wichtig und zeitraubend sind. Einges haben wir gegen Ende nun doch aufgeteilt, da es manchmal praktischer zum Arbeiten war. Auch haben wir keinen Termin an diesem Wochenende gefunden, der uns beiden ging. Einzelne Fragen punkto Bloggeinträge und Layout stehen noch offen, diese werden wir jedoch bis zur nächsten Abgabe geklärt haben. 

Wegen der Bildqualität der Fotos haben wir mit Chantal Michel am Mittwoch nochmals Kontakt aufgenommen, wir dürfen ihr die gewünschten Bilder mitteilen und erhalten sie in besserer Auflösung. Wir senden ihr die Bilderliste mit unserer Arbeit in den nächsten Tagen, dadurch entsteht für sie auch die Möglichkeit der Gegenlesung der Zitate. 

Die Arbeit werden ebenfalls Léas Mutter und Vater, sowie die Sekretärin des Architekturbüros, in dem Anna arbeitet, gegenlesen. Diesen Personen sind wir bereits im Voraus sehr dankbar! 
Das nun umgesetzte Layout möchten wir gerne noch mit Thomas besprechen, da wir froh um Tipps und Tricks sind. 

Wir sind stolz auf unsere Arbeit, welche in so kurzer Zeit endstand. 

Sonntag, 23. November 2014

Zeitmanagement...

Hier noch unser angepasstes Zeitmanagement.



Texte fertig, Anna und Léa fertig!!

Dieses Wochenende haben wir uns ganz den Texten und Layout gewidmet und haben nun alle für uns wichtigen Infos verwertet und niedergeschrieben. Das Fazit, die Wahl der Bilder und das setzten der Fussnoten sowie das Einfügen der gesamten Arbeit in das Layout stehen jetzt noch an. Morgen werden wir erneut mit Chantal Kontakt aufnehmen, da wir noch einige Fragen haben. Das Zeitmanagement ist knapp, schlussendlich wird es aber reichen. Im Anhang legen wir unsere Texte ab, für eine mögliche Leseprobe.


Einleitung, Themenwahl und Vorgehen:

Schaffer-Schöpfer-Macher
Macherinnen-Schöpferinnen-Schafferinnen

Die ersten Ideen zu diesem Thema hatten wir schnell, wirklich überzeugt waren wir jedoch nicht. Wir hatte zu Beginn zwei sehr unterschiedliche Gruppen die wir uns für diese Arbeit vorstellen konnten. Einerseits das Holzlabor, eine kleine, alternative Schreinerei und andererseits die Schwarzmaler, eine junge Sprayer-Gruppe welche auch grafische Arbeiten macht. Das Holzlabor war wenig interessiert an dieser Arbeit teil zu nehmen und die Schwarzmaler haben sich nie bei uns gemeldet. Somit war unsere Themenwahl sehr lange unklar und wir konnten uns nur mässig dazu motivieren eine neue Person zu suchen. Wir haben uns dann zu Beginn der IdpA zusammengesetzt und uns über mögliche Personen oder Personengruppen unterhalten. Durch ein Buch, über welches wir im Gestaltungsunterricht gesprochen haben, kamen wir auf die Künstlerin Chantal Michel. Im Architekturbüro Schär Buri, in welchem Anna arbeitet, hängt seit längerer Zeit ein grosses Bild von Michel und Anna kannte die Künstlerin bereits durch Erzählungen und gesehene Fotografien, für Léa war sie bis anhin eher unbekannt. Gleich an diesem Nachmittag haben wir uns telefonisch bei ihr gemeldet und sie um ihr Interesse sowie ihre Unterstützung bei unserer Arbeit gebeten. Durch ihre sofortige Begeisterung, die Zusage und die mögliche Einspannung in ihre momentane Ausstellung, kam unsere Motivation schlagartig zurück.  Am Samstag der selben Woche, konnte Anna bereits bei Michels Event mitwirken und erhielt wichtige Einblicke in ihr Schaffen. Durch die verschiedenen kleinen Zusammenarbeiten mit der Künstlerin, erhielten wir eine Ahnung über ihre Persönlichkeit und entwickelten eine Vorfreude auf ein Treffen mit ihr. Durch unterschiedliche Gespräche und Inputs, Recherchen im Internet und Bücher konnten wir mit einem guten Grundwissen an das bereits abgemachte Interview nach Zürich fahren. Im Voraus machten wir uns Gedanken über mögliche positive sowie auch negative Themengebiete, welche uns interessierten, haben uns aber keine spezifischen Fragen aufgeschrieben. Um eine spannende Arbeit zu schreiben, sollte man Konfliktsituationen einfliessen lassen.
Für uns ein möglicher Konflikt weißt ihre familiäre Situation auf, welche in ihrem Dokumentarfilm sehr zum tragen kommt. Beim Interview versuchten wir diese Thematik erneut mit Feingefühl aufzugreifen, da wir dachten, dass sie diese in ihren Arbeiten oft zum Ausdruck bringe. Ein weiterer Konflikt ist die Tatsache, dass Chantal auf fast jedem Bild die Protagonistin ist. Darüber wollten wir mehr erfahren, sowie auch wer und was genau hinter diesen Figuren steckt. Auch ihre persönliche und professionelle Entwiklung reizte uns, da wir dachten, dass bei solch aussagekräftigen Werken zwingend eine grosse Veränderung stattfinden muss. Chantal Michel nahm sich einen Nachmittag Zeit für uns, gab uns eine Führung durch „die Zitadelle“ mit ergänzenden Infos zu ihren Werken. Durch das Fachsimpeln über ihre Arbeiten und ihre Person, haben wir eine gute Basis geschaffen, um eine spannende Dokumentation zu verfassen.

Wir haben uns im Voraus überlegt, zuerst alle Informationen zusammen zu tragen und erst anschliessend gemeinsam die Texte zu formulieren. Auch haben wir uns eine Planung und Struktur zusammengestellt, damit wir uns im grossen Themengebiet nicht verlieren. Um die Texte zu erstellen, haben wir knapp zwei Wochen eingeplant.


Dokumentierender Teil

Kindheit:
Chantal Michel wurde im Jahr 1968 in Bern in eine kleinbürgerliche Familie geboren. Sie galt als ein introvertiertes und zurückhaltendes Kind, welches sich schon damals von der Familie zurückgezogen hat. Dies waren unter anderem die Gründe, weshalb sie mit 10 Jahren von ihrer Mutter zu einem Psychiater geschickt wurde. Schon damals hat Michel mit sich und ihrem Körper gearbeitet und getanzt. Sie besuchte eine Ballettschule, in der sie sich jedoch nicht wohl fühlte, da sie lieber für sich alleine als in einer Gruppe tanzte. Sie merkte, dass sie ihre Gedanken vor Menschen nicht authentisch zum Ausdruck bringen konnte, erlickte mit der Zeit die Videokamera und konnte mit dieser das erwünschte festhalten.
Es überrascht daher nicht, dass ihre künstlerischen Wurzeln beim Tanz liegen. Alles dreht sich um den Körper. „Aber ich bin viel zu scheu, um in einer Gruppe tanzen zu können“, sagt sie. Daher weicht sie auf das Medium Fotografie oder Video aus.

Ausbildung:
Nach der obligatorischen Schulzeit absolvierte sie eine Lehre als Floristin, besuchte danach die Keramikfachklasse an der Schule für Gestaltung in Bern und  bildet sich anschliessend als Bildhauerin aus. Zusätzlich studierte sie vier Jahre an der Kunstakademie Karlsruhe bei Harald Klingelhöller.
Bereits als ausgebildete Floristin ist Chantal Michel durch ihre opulenten, kreativen Blumensträusse aufgefallen. Sie hat alle erlernten Regeln über den Haufen geworfen, die Bouquets entstanden in Grössen, welche kaum abtransportierbar waren. Bei Kunden war sie dafür bekannt und beliebt. Auch mit ihren Keramikobjekten hatte sie Erfolge, da sie sich erneut gegen die Regeln entschied. Sie steckte viel Energie und Persönlichkeit hinein, arbeitete mit Raum und Körper, sowie der Farbe weiss. Ihre Werke waren schön und wirkten kühl, vielleicht ein Grund weshalb sie sich nicht mit ihnen identifizieren konnte.  
„Ich komme ursprünglich von der Bildhauerei her, habe einige Preise erhalten für meine Arbeit mit Objekten. Trotzdem fand ich es zunehmend absurd, persönliche Aussagen in ein Kunstprodukt zu verpacken. Warum nicht direkt mit dem eigenen Körper reden wie beim tanz?“

Immer noch gerne arbeitete sie mit ihrem Körper, verschiedensten Räumlichkeiten, Formen und Beziehungen. Dies fehlte ihr bei den vorhin erwähnten Arbeiten. Durch diese Erkenntnis veränderte sie ihr Machen und Schaffen.

Sie verharrte und entdeckte im Werk von Bruce Nauman den Ausweg. Warum in fremden Formen nach Korrespondenzen suchen? Bietet nicht das eigene Dasein genügend Stoff für die Kunst? Es muss nicht einmal etwas Besonderes passieren, denn die Grundelemente sind jederzeit verfügbar. Der Körper stellt die Farbe, ein beliebiger Raum die imaginäre Leinwand, die Stimmung des Augenblicks das Thema. Aus dieser Haltung entstand ihr erstes Video «Sorry Guys», 1997. Schauplatz ist das Atelier, ein kahler, enger Raum, fast ohne Requisiten. Die Künstlerin in Abendgarderobe – blaues Seidenkleid, silberne Schuhe, silberne Abendtasche – wirkt darin wie eine Riesin, ein Wesen von einem anderen Stern.

Erste Videoarbeit/Durchbruch:
Ihre erste Videoarbeit und zugleich ihr Durchbruch fand in einem schlichten, würfelförmigen Betonraum statt. Sie spielte mit ihrem Körper, dem Raum und deren Beziehung. Diese Arbeit hat sie eigenhändig aufgezeichnet, welches ein wichtiges Instrument für viele folgende Arbeiten ist. Dadurch besteht für sie die Möglichkeit, zeitgleich auf ihre Mimik und Gestik einzugehen. (Siehe Abb.)

Schweizerhof:
Eine grosse Fotoarbeit der bereits international bekannten Künstlerin entstand im Jahr 2005 im Berner Schweizerhof. Dieser wurde im Februar wegen Renovationsgründen geschlossen und somit erhielt Michel die Möglichkeit sich im Luxushotel einzunisten. In den ersten drei Wochen lies sie sich durch die Leere des Gebäudes inspirieren. „Hören sie diese Stille? Es ist seltsam, die Wände sprechen nicht, es kommt so nichts zurück. Diese Leere hat mich fasziniert und die Künstlichkeit des Ambientes hat mich nicht mehr losgelassen.“
Sie selbst lebte in den zwei Luxussuiten in der vierten Etage. Bis zur Vernissage Ende Oktober entstanden in zehn Räumen Bilder mit ihr als Protagonistin. Das Ambiente des Hotels wirkt durch die Möblierung sehr Puppenstubenhaft und lässt die Fotografien eine eigene Sprache sprechen. Um die Dramatik der Bilder zu verstärken, sowie Schattenwürfen zu entkommen, wurden alle Aufnahmen nachts bei künstlichem Licht gemacht. Für die einwöchige Ausstellung wurden die Bilder in Grossformat in den jeweiligen Räumen präsentiert. (Siehe Abb.)


Chantal Michel sucht die Nähe zu den Besuchers, ihrer Fotografien und Videos. „Museen sind eine einsame Geschichte“, sagt sie. „Die Leute schauen sich die Bilder an und gehen dann wieder nach Hause. Ich will mit den Menschen in Kontakt treten, mit dem Bauern genauso wie mit dem Unternehmer oder dem Lehrling, und mich mit ihnen über meine Werke austauschen. Ich will sie mit meiner Kunst berühren.“
Grand Hotel Bürgenstock:
Im Grand Hotel auf dem Bürgenstock am Vierwaldstättersee entstand im Jahr 2006 eine neue Ausstellung, deren Foto- und Videoarbeiten ausschliesslich im alten Haus aufgenommen wurde. In jedem der achtzehn Zimmer im ersten Stock ist mindestens ein „stiller Gast“ zu entdecken. So betitelt Michel ihre dort entstandene Arbeit. Kennzeichnend für diese Exposition ist, dass ausschliesslich neu entstandene Schöpfungen in den jeweiligen Entstehungsräumen ausgestellt wurden.

Sie versteht es meisterhaft, Stimmungen gelebter Räume einzufangen und Orte durch ihre Präsenz zu verwandeln.

Schloss Kiesen:
Die am längsten anhaltende Arbeit fand in den Jahren 2008-2011 im Schloss Kiesen statt. Die Vorgehensweise ähnelte der im Schweizerhof, nur stand ihr keine Möblierung zur Verfügung. Seit über 25 Jahren stand das Schloss leer bevor es von Michel in eine Märchenwelt verwandelt wurde. Während ihrer Zeit als Künstlerin merkte sie, dass sich die Rezipienten vor Museen scheuen und wollte deshalb eine neue Ausstellungsatmosphäre entstehen lassen.
Werke und Räume sind eine Einheit, sie verweisen aufeinander, sie ähneln sich in Zeit und Ort. Die im üblichen Ausstellungskontext von Museen und Galerien klare Trennung zwischen Bildraum und Ausstellungsraum, zwischen Vorstellungskraft und Realität wird durchlässig. http://www.chantalmichel.ch/pressetexte/Der_Bund_2008-07-08_Chantal_im_Wunderland.pdf

Die Räumlichkeiten waren sehr farbig, verspielt und dekorativ eingerichtet. Michel arbeitete nicht nur visuell, sondern auch mit Gerüchen, unterschiedlichen Temperaturen und neuerdings auch mit verschiedenen Kulinarischen Höhenpunkten. Dies entstand aus der Idee, dass viele Besucher das Gespräch mit ihr suchten und sie dafür während der Ausstellung zu wenig Zeit hatte. Jeden Samstag bietete sie angemeldeten Gästen ein selbstgekochtes, farblich abgestimmtes Menu an und ass mit ihnen. Durch die grosse Nachfrage der persönlichen Gespräche, bot sie mit der Zeit Übernachtungsmöglichkeiten an, mit dem Hintergedanken eines gemeinsamen, langen Frühstücks.
Ihre 40 neuen Werke entstanden, wie bereits bei vorhergehenden Arbeiten, im grossen Zusammenspiel mit der Geschichte des Gebäudes, den Räumen und ihrer Person.
Sie habe auf die besondere Atmosphäre der Gemächer reagieren müssen.

Nach Ablauf ihrer Zeit in Kiesen, veranstaltete sie im Schlossgarten ihren ersten Flohmarkt. Diese Idee entstand durch die grossen Anschaffungen verschiedenster Materialen und Möbel, welche sie nun nicht mehr benötigte. Dieser Eventteil stiess auf grosse Begeisterung und zieht sich bis heute durch Arbeiten von ihr. (Siehe Abb.)


Villa Gerber Thun:
Die Villa Gerber in Thun ist ein weiteres Gebäude, in dem sich Michel zwischen 2012/13 niederlies. Sie arbeitete mit dem identischen Konzept wie im Schloss Kiesen. Der einzige wahrnehmbare Unterschied war, dass sie die Etagen stilistisch verschieden einrichtete. Im Dachstock arbeitete sie mit rustikaler Dekoration, die darunter liegende Etage fand man im fünfziger- und sechziger Jahr Stil vor. Bei Kerzenschein und gemütlich-romantischer Stimmung wurde im Gewölbekeller der Villa zum eleganten Diner gebeten.
An langen Tischen ist für die rund zwanzig Personen aufgedeckt. Diesen Samstag hat die Künstlerin eine Kürbiscremsuppe vorbereitet, gefolgt von einem ausgezeichneten Bärlauchpestorisotto. Dazu gibt’s Rotwein und hinterher Gugelhopf und Café. Ein guter Freund trägt auf, und schon bald gesellt sich Michel zu den Gästen. „Seit ich koche, bin ich glücklich“, meint sie, nur so lerne sie die Leute kennen und erhalte Feedbacks auf ihre Arbeiten, wie es in Galerien und Museen nicht möglich ist.


Die Zitadelle Wollishofen:
In Wollishofen bei Zürich bespielt Michel zur Zeit eine 70er-Jahre Kirche, welche im Jahr 2015 abgerissen wird. Vor Kirchen, hat sie laut eigenen Aussagen, den Horror, aber da sie von diesem sakralen Bau gefunden wurde, nahm sie sich diesem Projekt an. Es wurde von der Künstlerin als „Die Zitadelle“ betitelt. Im Mittelalter wurde eine in sich abgeschlossene Festung, welche innerhalb einer Hauptbefestigung liegt und als Rückzugsmöglichkeit galt, als Zitadelle bezeichnet. Das Wort wurde vom italienischen „cittadella“ abgeleitet, dies bedeutet „kleine Stadt“. Unserer Ansicht nach, trifft diese Begriffserläuterung sehr auf dieses Gebäude zu, da es von aussen sehr abweisend und kühl wirkt, von innen jedoch bietet es eine wohlige Rückzugsmöglichkeit. Durch die Verwendung von alten und neuen Werken wird auch dieser Bau in eine Märchenwelt verwandelt. Sie spielt erneut mit Temperaturen, Gerüchen, mystischen Klängen, Licht und vor allem mit den Räumlichkeiten.
Das Innern der mehrstöckigen Kirche ist komplett abgedunkelt und die Künstlerin arbeitet ausschliesslich mit warmem, künstlichem Licht. Im Treppenhaus hangen zusätzlich Diskokugeln, welche für Spezialeffekte sorgen. Die orgelartigen Töne werden unbewusst wahrgenommen, mit der Zeit drücken sie aber auf die Gemütslage. Die dadurch entstehende schwere Atmosphäre wird durch den intensiven Geruch und die variierenden Temperaturen unterstrichen.

Seit Anfang Februar lebt und arbeitet Chantal Michel in der ehemaligen Kirche. „Ich versuche, die Räume emotional zu verstehen.“ Sie vergleicht das Einrichten eines Raumes mit einer Beziehung. „Beides braucht Zeit, beides muss Wachsen.“ Sie will schliesslich nicht nur schöne Räume schaffen, sondern eine Stimmung vermitteln. „Je mehr Zeit ich habe, desto besser kommt es raus.“ Möbel, Lampen, Teppiche, Geschirr und Tischtücher hat sie alle von Bern nach Zürich gebracht. Chantal Michel ist nicht nur eine Perfektionistin, sondern auch eine Ästhetin.

Damit sie erneut die Nähe und den Kontakt mit ihren Besuchern hat, bietet sie auch in der Zitadelle ein „Diner blanc“ an. Wegen altem Ballast, täglich zwei Besuchen im Brockenhaus nebenan und vielen Neuanschaffungen für die Einrichtung, bietet sie weiterhin einen Flohmarkt an, jetzt jedoch regelmässig.

Während der Zeit in der Zitadelle entstanden in Michels Atelier in Thun ihre neusten Werke, mehrere Adaptionen nach Ferdinand Hodler. Durch das eigenhändige bemalen der Hintergründe und sich selbst, gelang es der Künstlerin die Art der Bilder nachzuahmen. Wegen der Verwendung einer kompakten Digitalkamera haben die Bilder bei der Vergrösserung eine körnige Auflösung, welche sehr an ein Gemälde erinnert.
Bei unserem Gespräch mit der Künstlerin in der Kirche, sagte sie nebenbei: „Ich  dachte immer, dass mir das Malen nicht liegt. Bei dieser Arbeit merkte ich jedoch, dass ich es gar nicht so schlecht kann.“





Reportage:

Chantal Michel, eine Künstlerin, welche ihren Körper als Werkzeug für ihre Arbeiten verwendet. Um mehr über ihre Hintergründe und Gedankengänge zu erfahren, bemühten wir uns um eine Zusammenarbeit mit ihr. Anhand von Gesprächen konnten wir zwei unterschiedliche Treffen mit ihr festlegen und durchführen. Das erste fand in Form einer Mitarbeit an ihrer momentanen Ausstellung statt, im zweiten erhielten wir Einblicke über ihre Person, ihr Leben und ihre Werke.

Am Samstag, 25. Oktober, um 14:00 Uhr betrat Anna den Zug in Bern Richtung Zürich. Ab dem Hauptbahnhof, circa fünfzehn Minuten ausserhalb der Stadt, traf sie sich mit Chantal Michel in „der Zitadelle“. Dies ist eine 70er-Jahre Kirche, welche im Januar 2015 abgerissen wird. Der kahle, weiss gestrichene Betonbau wirkt auf den Betrachter kühl und wirkt im Quartier Wollishofen eher fehl am Platz. Die klaren horizontalen und vertikalen Linien, die das Gebäude aufweist werden durch verschiedenste Rundungen unterbrochen. Der Äussere und Innere Eindruck der Kirche, stimmen durch die von der Künstlerin vorgenommenen Veränderungen nicht mehr überein. Beim Betreten der Kirche, schlägt einem eine warme, orientalisch riechende Luft entgegen. Zusätzlich wird man von mystischen Klängen eingehüllt und das Auge muss sich an die Dunkelheit der Räumlichkeiten gewöhnen. Die Künstlerin arbeitet nur mit spärlichem Licht, fokussiert auf einzelne Werke, damit kein Museumsambiente entsteht. Durch Spezialeffekte von Diskokugeln und diversen Geräuschen der verschiedenen Installationen wirken zu Beginn sehr viele Eindrücke auf den Besucher ein, es braucht einen Moment zur Orientierung.
Chantal Michel hat Anna mit einem Lächeln im Gesicht empfangen und ihre Freude geäussert. Innert kürzester Zeit wurde sie in den Ablauf des Anlasses eingeführt.

Als Einstieg in den Event, plante Michel einen Flohmarkt, an welchem sie alte Requisiten früheren Arbeiten ausstellte und verkaufte. Der Markt befindet sich im Keller, der dunkle Raum wird nur durch Stehlampen beleuchtet. Der bekannte Geruch eines Brockenhauses ist allgegenwertig. Die präsentierten Materialien sind thematisch im Raum verteilt und strahlen den farbigen Look der 60er-80er-Jahre aus. Von Schmuck über Lampen, Möbel und Kleider; alles ist vorhanden. 

Um 16:00 Uhr wurde der Flohmarkt eröffnet und zahlreiche Einkäufer erschienen, welche sich an den Antiquitäten erfreuten. Betreut wurde er von Anna, welche gleichzeitig einkassierte und von den interessierten Besuchern in Gespräche verwickelt wurde. Ungefähr eine Stunde später wurde am selben Ort ein Film über das Machen und Schaffen der Künstlerin gezeigt. Dieser handelt von der Familie Michel, zeigt ihre Herangehensweise an ihre Projekte und die Beziehungen zu diversen Menschen. Die Rezipienten folgten dem Film aufmerksam und applaudieren zum Schluss. Die Atmosphäre war angenehm, jedoch sehr ruhig und wurde nur durch einzelne Lacher aufgelockert. Die Offenheit der Künstlerin in der Dokumentation, regte zum Nachdenken an.

Über vier Stockwerke verteilt konnte man im Anschluss die Ausstellung begutachten. Mit dem gleichen Konzept, wie in früheren Arbeiten, hat sie die Räumlichkeiten gestaltet.
Im Luftschutzkeller der Zitadelle konnte man altbekannte Figuren in der Installation „Der Ausflug“ beim Schwanken im Wind beobachten. Im Treppenhaus bis ins Erdgeschoss fand man drei grosse Bilder in Anlehnung an Ferdinand Hodler. Im Parterre präsentierte sie ein Gemisch an Video- und Fotoarbeiten. Die meisten Arbeiten stellte sie bereits früher in anderen Kontexten aus, erneut musste sie sich den gegebenen Räumlichkeiten bei der Präsentationsweise anpassen. Auf diesem Stockwerk liegen zwei der drei Übernachtungsmöglichkeiten, deren Art sich farblich frappant von einander unterscheiden. Der Aufgang ins erste Obergeschoss ist in weiss gehalten und wirkt sehr gradlinig im Vergleich zum Rest des Hauses. Das Bild „Das historische Gedächtnis mit seiner toten Zeit ist die Zukunft“ aus der Zeit im Schweizerhof und die Büste aus Keramik unterstreichen diesen Eindruck. Auf dieser Etage sind erneut mehrere Videoarbeiten zu betrachten, einzige Ausnahme bilden die zwei neuen Werke „Die Nacht“ und „Die enttäuschten Seelen“ nach Hodler. Der Schwerpunkt liegt auf dem Orgelsaal, welcher als geräumiger und sehr kühl wirkender Speisesaal dient. Während dem Essen des „Diner Blanc“ kann man die Installation „Die elfte Episode“ betrachten. Auf unsere Frage, ob sie ein Herzstück bei ihren Arbeiten hat, antwortete sie: „Nein, ich habe eher zwei, drei Werke die ich nicht so mag. Wie zum Beispiel „Die elfte Episode“, doch für diesen Platz ist es das Beste Werk.“
Die Treppe zum obersten Geschoss liegt in einer Rundung, welche Michel für die Präsentation der im Schweizerhof entstandenen Fotoserie „Jenseits von Zeit und Raum“ nutzt. Der Hintergrund der Bilder stimmt mit der Farbe der Wand überein. Auf der Empore auf dieser Etage findet man eine weitere grossformatige Installation namens „Das Werden des Gewordenen“. Nebenan in einem kleinen Kämmerchen findet man bei vergleichsweise frostigen Temperaturen das bekannte Werk „La reine des neiges“, welches sich in kühlen Grautönen präsentiert.

Während der Möglichkeit die Ausstellung zu besichtigen, wurde im Orgelsaal ein Apéro serviert. Durch die ganze Veranstaltung, wurde man von einer anonymen Stimme geführt. Um 19:30 Uhr bat diese zum „Diner Blanc“. Serviert wurde ein 5-Gangmenu, gekocht durch Chantal Michel. Zur Vorspeise gab es einen Rettich Salat mit Silberzwiebeln, gefolgt von einer Blumenkohl Crèmesuppe, anschliessend wurde ein Risotto mit Rosenwasser und Mascarpone serviert. Als Nachspeise tischte das Personal ein halbgefrorenes Birnenlassi mit Ingwer auf. Weisswein und Wasser waren die Getränke dazu. Bei ausgelassener Stimmung wurde gespeist. Ab zehn Uhr wurde der Saal allmählich leerer und zu dritt liessen die zwei Helfer und Michel den Abend ausklingen. Mit dem letzten Zug ging es heimwärts.

Obwohl die Begrüssung sehr freundlich ausfiel, wirkte die Künstlerin auf Anna eher scheu, ruhig und zurückhaltend. Sie weicht unangenehmen Fragen aus, hat aber trotzdem eine sehr klare und starke Meinung. Durch die Eindrücke der Telefonate und des ersten Treffens, fuhren wir zwei Wochen später mit gemischten Gefühlen nach Zürich. Schon beim ersten Schritt in den sakralen Bau, bemerkte man, dass Chantal Michel sehr positiv gestimmt, offen und auskunftsfreudig wahr. Sie nahm uns mit auf einen informativen Rundgang durch ihr „Zuhause“. Gestartet wurde im Keller bei den Comicfiguren unter denen sich viele bekannte Personen versteckten. Die Aufnahme ist Loup, welcher während zehn Minuten aufgezeichnet wurde. Trotz der kurzen Laufzeit, kippte eine Person um, was bei solchen Arbeiten keine Seltenheit ist. Dies ist auch mit ein Grund, weshalb sie lieber selbstständig arbeitet. Sie kennt ihren Körper, sucht immer wieder Grenzen und hat somit eine Selbstverantwortung. Auch besteht dadurch für sie die Möglichkeit, zeitgleich auf ihre Mimik und Gestik einzugehen. Diese Figuren begleiten sie seit geraumer Zeit und sind immer wieder Teil von Arbeiten. „Leider zerfallen die Masken und Kostüme, trotz sorgfältiger Lagerung altershalber langsam“, meinte sie.
Die Serie der Anlehnung an die Werke von Hodler, entstand durch die schon immer dagewesene Verbindung von Michel zum Künstler. Die immer wiederkehrende Wiederholung von Figuren und deren Haltungen in seinen Bildern, fand sie auch in ihren Werken wieder. „Ich denke, wir hätten es zusammen gut gehabt, wäre er noch am leben.“

Durch eine für sie untypischen, neuen Arbeitsmethode entstanden die verschiedenen „Duplikate“. Sie erzählte nebenbei, dass sie die Hintergründe und sich selbst bemalte, um dadurch die Art der Bilder nachzuahmen. Durch die Verwendung einer kompakten Digitalkamera bekommen die Bilder bei der Vergrösserung eine körnige Auflösung, welche sehr an ein Gemälde erinnert. „Ich  dachte immer, dass mir das Malen nicht liegt. Bei dieser Arbeit merkte ich jedoch, dass ich es gar nicht so schlecht kann“, meinte sie schlussendlich.
Zu ihrer Fotografie in der obersten Etage, meinte sie, es sei spannend die Wirkung der Bilder durch Temperaturen zu beeinflussen. Je nach Umfeld einer Arbeit, wirkt diese durch solche eingriffe völlig anders. Sie schilderte zudem, beim Bild „La reine des neiges“ habe sie den Hintergrund per Photoshop hinzugefügt.
Später liess sie uns im Orgelsaal, in ihrem „Wohnzimmer“ in zwei Sesseln platz nehmen. Über das Tischchen war ein weisses Tischtuch geworfen, das Porzellan glänzte und in einer feinen Vase strahlte ein Plastikbouquet. Wir fühlten uns wie in einer Puppenstube. Während dem sie uns Kaffee  einschenkte, sagte sie: „Ich bin gerne einsam und geniesse es hier zu wohnen. Eigentlich mag ich Kirchen nicht, doch dieser Bau hat mich gefunden, deshalb hab ich mich diesem Projekt angenommen. So viel Zeit verbringt selten ein Künstler mit seinen Werken, meistens ist man nur bei der Vernissage dabei.“  
Nach der Frage zu ihrer Kindheit, sind wir schnell auf die Fotoserie „Rosen und Vergissmeinnicht“, welche im Jahr 2002 in der Parkanlage Schloss Oberhofen in Thun entstand, gekommen. Für sie, sowie auch für uns hat sie viel mit dem gross werden der Künstlerin zu tun. Die Figur auf den Bildern stellt ihre Mutter dar. „Die Figur ist für mich meine Mutter, es ist auch ihre Perücke. Meine Mutter war auch so angezogen und am liebsten hätte sie wahrscheinlich gerne gehabt, es gäbe sie zweimal. Sie war sehr eine präsente Person. Für mich ist die Familie relativ unwichtig. Ich habe weder zu meiner Mutter, noch zu meiner Schwester einen Bezug. Ich habe einfach mein Ding gemacht“, sagt sie.

In der kompletten Sammlung ihrer Werke bilden zwei Serien eine Ausnahme. Die eine entstand währen den Jahren im Schweizerhof und heisst „Victor“. Der Mann wird durch den internen Hoteldirektor verkörpert und ist somit der einzige männliche Protagonist. Die Maske wurde hauptsächlich verwendet, wegen dem Bekanntheitsgrad, aber auch weil er durch sie so liebenswürdig wirkte. „Ich wurde eingeladen in diesem Hotel etwas zu machen und habe den Direktor gefragt, ob er mir helfen würde. Wir haben ein halbes Jahr zusammen im Schweizerhof gelebt, da er sein Büro auf der gleichen Etage hatte. Ich habe ihm immer gesagt, er dürfe nicht unangemeldet eintreten. Es wäre für mich der Horror gewesen, wenn er mich beim blödeln erwischt hätte. Einmal ist er trotzdem hineingeplatzt und sagte, er wolle endlich sehen was ich hier mache. Ich habe ihm erklärt, er könne mir mal assistieren. Er diente zuerst nur als Platzhalter für Einstellungen, war für diese Arbeit jedoch die geeignetere Figur. Und so entstand Victor.“

Eine weitere sehr schöne Serie, bei welcher sie sich an den Künstler Hermann Gerber orientierte, entstand im Jahr 2007. Der Künstler war ein grossartiger Kopierer und skizzierte viele grosse Meister. Bei der Fotostrecke „Die Unwiderruflichen“ hat Michel die Skizzen mit ihrem Körper gefüllt und verbunden. Auch bei dieser Arbeit hat sie die Hintergründe und sich selbst bemalt.

Nach langem diskutieren über ihr Machen und Schaffen und über die verschiedensten Projekte, kam die Frage zu Finanzierung auf: „Man versucht natürlich beim Kanton und bei der Stadt Unterstützung zu bekommen. Aber auf diese kann man sich nicht verlassen, deshalb versuche ich mich immer selbstständig zu finanzieren. Wenn man will, findet man immer einen Weg. Für ein Projekt wie die Zitadelle, habe ich ein Budget von circa Fr. 100'000, habe jedoch nur etwa Fr. 10'000 bekommen. Den Rest treibe ich durch Sponsoren, Sammler und Gönner auf, dies basiert oftmals auch ein wenig auf Druck. Es ist sehr schwierig als Einzelkünstlerin Gelder von Fonds oder Stiftungen zu bekommen, da diese meisten nur Gruppen oder Galerien unterstützen.“
Wir haben uns Gedanken über ihre Zukunftspläne gemacht. Wie geht sie mit dem älter werde um und wie setzt sie diese Veränderung des Körpers um. Diese Frage kam auf, weil ihre bisherigen Fotos alle sehr jung und ästhetisch wirken. Sie meinte, sie freue sich sehr aufs alt werden und genau auf diese Veränderung des Körpers. Sie stellt sich ihren eigenen Körper als eine Rose vor die mit der Zeit verdorrt. „Und eine verdorrte Rose ist doch auch schön, oder?“ Sie meint auch, es gebe zu wenig zeitgenössische Künstler, welche mit alten Körper arbeiten. Man sehe immer nur junge, frische Körper. Ich gehe es nicht nur ums schöne Aussehen, sondern um eine interessante Ästhetik.

Das Gespräch war informativ, spannend, aufschlussreich und durch ihre heute gezeigte Persönlichkeit sehr offen und berührend. Die Atmosphäre in der Zitadelle hat dieses Gefühl der Wärme und Geborgenheit unterstützt. Unsere Befürchtungen, dass das Gespräch einseitig, stockend und oberflächlich verlaufen könnte, haben sich überhaupt nicht bewahrheitet.




Montag, 17. November 2014

Und schon wieder ist Montag!


Wir haben heute Morgen  in der Idpa-Lektion einen kurzen Texabschnitt zur Villa Gerber verfasst und uns vorallem mit der grossen Medien- und Bilderflut auseinandergesetzt. Morgen Nachmittag werden wir uns dem Zeitmanagement widmen und unsere Gedanken zum Layout der Arbeit auf Papier bringen. Going on....



Die Villa Gerber in Thun ist ein weiteres Gebäude, in dem sich Chantal zwischen 2012/13 niederlies. Sie arbeitete mit dem identischen Konzept wie im Schloss Kiesen. Der einzige wahrnehmbare Unterschied war, dass sie die Etagen stilistisch verschieden einrichtete. Im Dachstock arbeitete sie mit rustikaler Dekoration, die darunter liegende Etage fand man im fünfziger- und sechziger Jahr Stil vor. Bei Kerzenschein und gemütlich-romantischer Stimmung wurde im Gewölbekeller der Villa zum eleganten Diner gebeten.





 Bilderserie aus dem Hotel Bürgenstock im Jahr 2005:

















Sonntag, 16. November 2014

Wir sind am schreiben...

...und schreiben und schreiben!

Wir trafen uns heute bei Anna und liesen uns durch den Dokumentarfilm von Chantal inspirieren. Nach kurzen Absprachen und mit neuer Inspiration machten wir uns an den Text des dokumentierenden Teil. Durch viele Pressetexte, dem Interview und TV-Sendungen entstand ein guter erster Teil. Zu Beginn hatten wir Mühe mit der Fomulierung der Sätze, haben uns gegen Schluss jedoch gut zurecht gefunden und kamen in den Schreibflow. Wir sind froh, dass durch verschiedene Anpassungen im Unterricht die Möglichkeit bestehet, in den nächsten Tagen weiterzuschreiben. Unser Ziel ist es, bis am Mittwoch 26.11.14, alle Texte geschrieben zu haben um Chantal die Arbeit als Brief zukommen zu lassen. Dadurch hat sie eineinhalb Wochen Zeit für das gegenlesen. Wir sind zuversichtlich und zufrieden mit unserer Arbeit.




Dokumentierender Teil

Chantal Michel wurde im Jahr 1968 in Bern in eine kleinbürgerliche Familie geboren. Sie galt als ein introvertiertes und zurückhaltendes Kind, welches sich schon damals von der Familie zurückgezogen hat. Dies waren unter anderem die Gründe, weshalb sie mit 10 Jahren von ihrer Mutter zu einem Psychiater geschickt wurde. Schon damals hat Chantal mit sich und ihrem Körper gearbeitet und getanzt. Sie besuchte eine Ballettschule, in der sie sich jedoch nicht wohl fühlte, da sie lieber für sich alleine als in einer Gruppe tanzte. Sie merkte, dass sie ihre Gedanken vor Menschen nicht authentisch zum Ausdruck bringen konnte, erlickte mit der Zeit die Videokamera und konnte mit dieser das erwünschte festhalten.
Nach der obligatorischen Schulzeit absolvierte sie eine Lehre als Floristin, besuchte danach die Keramikfachklasse in Bern und  bildet sich anschliessend als Bildhauerin aus. Bereits als ausgebildete Floristin ist Chantal durch ihre opulenten, kreativen Blumensträusse aufgefallen. Sie hat alle erlernten Regeln über den Haufen geworfen, die Bouquets entstanden in Grössen, welche kaum abtransportierbar waren. Bei Kunden war sie dafür bekannt und beliebt. Auch mit ihren Keramikobjekten hatte sie Erfolge, da sie sich erneut gegen die Regeln entschied. Sie steckte viel Energie und Persönlichkeit hinein, arbeitete mit Raum und Körper, sowie der Farbe weiss. Ihre Werke waren schön und wirkten kühl, vielleicht ein Grund weshalb sie sich nicht mit ihnen identifizieren konnte.  „Ich komme ursprünglich von der Bildhauerei her, habe einige Preise erhalten für meine Arbeit mit Objekten. Trotzdem fand ich es zunehmend absurd, persönliche Aussagen in ein Kunstprodukt zu verpacken. Warum nicht direkt mit dem eigenen Körper reden wie beim tanz?“ http://www.chantalmichel.ch/pressetexte/Der_Bund_2009-08-19_Wir_sind_alle_so_aengstlich.pdf

Immer noch gerne arbeitete sie mit ihrem Körper, verschiedensten Räumlichkeiten, Formen und Beziehungen. Dies fehlte ihr bei den vorhin erwähnten Arbeiten. Durch diese Erkenntnis veränderte sie ihr Machen und Schaffen. Ihre erste Videoarbeit und zugleich ihr Durchbruch fand in einem schlichten, würfelförmigen Betonraum statt. Sie spielte mit ihrem Körper, dem Raum und deren Beziehung. Diese Arbeit hat sie eigenhändig aufgezeichnet, welches ein wichtiges Instrument für viele folgende Arbeiten ist. Dadurch besteht für sie die Möglichkeit, zeitgleich auf ihre Mimik und Gestik einzugehen. (Siehe Abb.)
Eine grosse Fotoarbeit der bereits international bekannten Künstlerin entstand im Jahr 2005 im Berner Schweizerhof. Dieser wurde im Februar wegen Renovationsgründen geschlossen und somit erhielt Chantal die Möglichkeit sich im Luxushotel einzunisten. In den ersten drei Wochen lies sie sich durch die Leere des Gebäudes inspirieren. Sie selbst lebte in den zwei Luxussuiten in der vierten Etage. Bis zur Vernissage Ende Oktober entstanden in zehn Räumen Bilder mit ihr als Protagonistin. Das Ambiente des Hotels wirkt durch die Möblierung sehr Puppenstubenhaft und lässt die Fotografien eine eigene Sprache sprechen. Um die Dramatik der Bilder zu verstärken, sowie Schattenwürfen zu entkommen, wurden alle Aufnahmen nachts bei künstlichem Licht gemacht. Für die einwöchige Ausstellung wurden die Bilder in Grossformat in den jeweiligen Räumen präsentiert. (Siehe Abb.)

Die längst anhaltende Arbeit fand in den Jahren 2008-2011 im Schloss Kiesen statt. Die Vorgehensweise ähnelte der des Schweizerhofs, nur stand ihr keine Möblierung zur Verfügung. Seit über 25 Jahren stand das Schloss leer bevor es von Chantal in eine Märchenwelt verwandelt wurde. Während ihrer Zeit als Künstlerin merkte sie, dass sich die Rezipienten vor Museen scheuen und wollte deshalb eine neue Ausstellungsatmosphäre entstehen lassen. Die Räumlichkeiten waren sehr farbig, verspielt und dekorativ eingerichtet. Chantal arbeitete nicht nur visuell, sondern auch mit Gerüchen, unterschiedlichen Temperaturen und neuerdings auch mit verschiedenen Kulinarischen Höhenpunkten. Dies entstand aus der Idee, dass viele Besucher das Gespräch mit ihr suchten und sie dafür während der Ausstellung zu wenig Zeit hatte. Jeden Samstag bietete sie angemeldeten Gästen ein selbstgekochtes, farblich abgestimmtes Menu an und ass mit ihnen. Durch die grosse Nachfrage der persönlichen Gespräche, bot sie mit der Zeit Übernachtungsmöglichkeiten an, mit dem Hintergedanken eines gemeinsamen, langen Frühstücks.
Ihre 40 neuen Werke entstanden, wie bereits bei vorhergehenden Arbeiten, im grossen Zusammenspiel mit der Geschichte des Gebäudes, den Räumen und ihrer Person.
Nach Ablauf ihrer Zeit in Kiesen, veranstaltete sie Schlossgarten ihren ersten Flohmarkt. Diese Idee entstand durch die grossen Anschaffungen verschiedenster Materialen und Möbel, welche sie nun nicht mehr benötigte. Dieser Eventteil stiess auf grosse Begeisterung und zieht sich bis heute durch Arbeiten von ihr. (Siehe Abb.)