Sonntag, 16. November 2014

Wir sind am schreiben...

...und schreiben und schreiben!

Wir trafen uns heute bei Anna und liesen uns durch den Dokumentarfilm von Chantal inspirieren. Nach kurzen Absprachen und mit neuer Inspiration machten wir uns an den Text des dokumentierenden Teil. Durch viele Pressetexte, dem Interview und TV-Sendungen entstand ein guter erster Teil. Zu Beginn hatten wir Mühe mit der Fomulierung der Sätze, haben uns gegen Schluss jedoch gut zurecht gefunden und kamen in den Schreibflow. Wir sind froh, dass durch verschiedene Anpassungen im Unterricht die Möglichkeit bestehet, in den nächsten Tagen weiterzuschreiben. Unser Ziel ist es, bis am Mittwoch 26.11.14, alle Texte geschrieben zu haben um Chantal die Arbeit als Brief zukommen zu lassen. Dadurch hat sie eineinhalb Wochen Zeit für das gegenlesen. Wir sind zuversichtlich und zufrieden mit unserer Arbeit.




Dokumentierender Teil

Chantal Michel wurde im Jahr 1968 in Bern in eine kleinbürgerliche Familie geboren. Sie galt als ein introvertiertes und zurückhaltendes Kind, welches sich schon damals von der Familie zurückgezogen hat. Dies waren unter anderem die Gründe, weshalb sie mit 10 Jahren von ihrer Mutter zu einem Psychiater geschickt wurde. Schon damals hat Chantal mit sich und ihrem Körper gearbeitet und getanzt. Sie besuchte eine Ballettschule, in der sie sich jedoch nicht wohl fühlte, da sie lieber für sich alleine als in einer Gruppe tanzte. Sie merkte, dass sie ihre Gedanken vor Menschen nicht authentisch zum Ausdruck bringen konnte, erlickte mit der Zeit die Videokamera und konnte mit dieser das erwünschte festhalten.
Nach der obligatorischen Schulzeit absolvierte sie eine Lehre als Floristin, besuchte danach die Keramikfachklasse in Bern und  bildet sich anschliessend als Bildhauerin aus. Bereits als ausgebildete Floristin ist Chantal durch ihre opulenten, kreativen Blumensträusse aufgefallen. Sie hat alle erlernten Regeln über den Haufen geworfen, die Bouquets entstanden in Grössen, welche kaum abtransportierbar waren. Bei Kunden war sie dafür bekannt und beliebt. Auch mit ihren Keramikobjekten hatte sie Erfolge, da sie sich erneut gegen die Regeln entschied. Sie steckte viel Energie und Persönlichkeit hinein, arbeitete mit Raum und Körper, sowie der Farbe weiss. Ihre Werke waren schön und wirkten kühl, vielleicht ein Grund weshalb sie sich nicht mit ihnen identifizieren konnte.  „Ich komme ursprünglich von der Bildhauerei her, habe einige Preise erhalten für meine Arbeit mit Objekten. Trotzdem fand ich es zunehmend absurd, persönliche Aussagen in ein Kunstprodukt zu verpacken. Warum nicht direkt mit dem eigenen Körper reden wie beim tanz?“ http://www.chantalmichel.ch/pressetexte/Der_Bund_2009-08-19_Wir_sind_alle_so_aengstlich.pdf

Immer noch gerne arbeitete sie mit ihrem Körper, verschiedensten Räumlichkeiten, Formen und Beziehungen. Dies fehlte ihr bei den vorhin erwähnten Arbeiten. Durch diese Erkenntnis veränderte sie ihr Machen und Schaffen. Ihre erste Videoarbeit und zugleich ihr Durchbruch fand in einem schlichten, würfelförmigen Betonraum statt. Sie spielte mit ihrem Körper, dem Raum und deren Beziehung. Diese Arbeit hat sie eigenhändig aufgezeichnet, welches ein wichtiges Instrument für viele folgende Arbeiten ist. Dadurch besteht für sie die Möglichkeit, zeitgleich auf ihre Mimik und Gestik einzugehen. (Siehe Abb.)
Eine grosse Fotoarbeit der bereits international bekannten Künstlerin entstand im Jahr 2005 im Berner Schweizerhof. Dieser wurde im Februar wegen Renovationsgründen geschlossen und somit erhielt Chantal die Möglichkeit sich im Luxushotel einzunisten. In den ersten drei Wochen lies sie sich durch die Leere des Gebäudes inspirieren. Sie selbst lebte in den zwei Luxussuiten in der vierten Etage. Bis zur Vernissage Ende Oktober entstanden in zehn Räumen Bilder mit ihr als Protagonistin. Das Ambiente des Hotels wirkt durch die Möblierung sehr Puppenstubenhaft und lässt die Fotografien eine eigene Sprache sprechen. Um die Dramatik der Bilder zu verstärken, sowie Schattenwürfen zu entkommen, wurden alle Aufnahmen nachts bei künstlichem Licht gemacht. Für die einwöchige Ausstellung wurden die Bilder in Grossformat in den jeweiligen Räumen präsentiert. (Siehe Abb.)

Die längst anhaltende Arbeit fand in den Jahren 2008-2011 im Schloss Kiesen statt. Die Vorgehensweise ähnelte der des Schweizerhofs, nur stand ihr keine Möblierung zur Verfügung. Seit über 25 Jahren stand das Schloss leer bevor es von Chantal in eine Märchenwelt verwandelt wurde. Während ihrer Zeit als Künstlerin merkte sie, dass sich die Rezipienten vor Museen scheuen und wollte deshalb eine neue Ausstellungsatmosphäre entstehen lassen. Die Räumlichkeiten waren sehr farbig, verspielt und dekorativ eingerichtet. Chantal arbeitete nicht nur visuell, sondern auch mit Gerüchen, unterschiedlichen Temperaturen und neuerdings auch mit verschiedenen Kulinarischen Höhenpunkten. Dies entstand aus der Idee, dass viele Besucher das Gespräch mit ihr suchten und sie dafür während der Ausstellung zu wenig Zeit hatte. Jeden Samstag bietete sie angemeldeten Gästen ein selbstgekochtes, farblich abgestimmtes Menu an und ass mit ihnen. Durch die grosse Nachfrage der persönlichen Gespräche, bot sie mit der Zeit Übernachtungsmöglichkeiten an, mit dem Hintergedanken eines gemeinsamen, langen Frühstücks.
Ihre 40 neuen Werke entstanden, wie bereits bei vorhergehenden Arbeiten, im grossen Zusammenspiel mit der Geschichte des Gebäudes, den Räumen und ihrer Person.
Nach Ablauf ihrer Zeit in Kiesen, veranstaltete sie Schlossgarten ihren ersten Flohmarkt. Diese Idee entstand durch die grossen Anschaffungen verschiedenster Materialen und Möbel, welche sie nun nicht mehr benötigte. Dieser Eventteil stiess auf grosse Begeisterung und zieht sich bis heute durch Arbeiten von ihr. (Siehe Abb.)


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